Miracoli 2.0

Hand aufs Herz: Wer noch ohne Smartphone aufgewachsen ist, kennt ihn – den Geschmack der Kindheit, wenn es schnell gehen musste. Wie schon mal erwähnt, gab es selten – ja seeeehr selten – Nudeln bei uns zu Haus. Aber selbst ich kenne diesen einzigartigen Geschmack von Soße und Plastiktütenkäse. Und die einprägsame Werbung „Miiiraaaacooooliiii ist fertig“.

Einmal den Duft des Kochwassers und dieses unwiderstehlich süßlichen Gewürzpäckchens in der Nase, und Zack! – man ist zurück in den Neunzigern. Man sitzt vor der Röhre und löffelt diese herrlich dicke, knallrote Sauce von den dünnen Spaghettini. Während He-Man, MASK, A-Team oder Airwolf läuft.

Es war das Fast Food der Kindheit, das schnellste italienische Gericht, das man zubereiten konnte. Es hatte immer diesen leicht künstlichen Charme. Die Sauce war zu süß, die Nudeln oft etwas zu weich.

Die Käse-Verschwörung: Das Mysterium des Päckchens

Wir müssen über den Käse reden. Dieses unscheinbare, silberne Päckchen war doch das eigentliche Highlight des Kartons! Ein feiner, leicht salziger Puder, der sich perfekt über die heiße Sauce streuen ließ und sofort diesen unverwechselbaren Geruch verströmte.

Der Skandal: Dieses Käsepäckchen wurde irgendwann – ganz still und heimlich – aus dem Karton entfernt. Heute muss man sich mit einem Beutel Fertigkäse begnügen, der oft nur eine traurige Kopie des Originals ist. Da hat Miracoli gespart, wo es wehtut. Ein Grund mit für mich, diesen Verpackungen im Supermarkt aus dem Weg zu gehen. Wie kam ich also drauf? Ich bin auf Youtube über diese alte Werbung gestoßen. Und dann hat es Klick gemacht. Das musste ich probieren nachzukochen. So nah am Original wie möglich – ohne FIX Zutaten.

Wir kochen Miracoli selbst – mit echten, guten Tomaten, selbst gemachten Nudeln und einem Käse-Puder, der so gut ist, dass er sofort patentiert werden müsste. Das hier ist das Miracoli 2.0 – Premium Home Edition!


Die Zubereitung: So wird aus Nostalgie eine Delikatesse

Teil I: Die dicke Berta (Die Sauce)

Die Miracoli-Sauce ist ein Ding für sich: Sie ist dick, sie ist intensiv, sie ist süß. Man erreicht das, indem man nicht knausert. Die halbe Menge der Dose Tomaten kommt als hochkonzentriertes Tomatenmark dazu. Ich lasse gerne die abgeschnittenen Rinden der beiden Käse mitköcheln. Probier das mal aus. Genial.

  1. Aromen wecken: Man startet mit Olivenöl, Zwiebeln und Knoblauch. Sobald die Zwiebeln glasig sind, kommt der entscheidende Schritt: Das Tomatenmark. Die volle Ladung, 200 Gramm! Man röstet es für zwei Minuten mit, um ihm die stumpfe Säure zu nehmen und die Süße zu fördern.
  2. Würzen und abwarten: Jetzt die geschälten Tomaten, die Brühe und vor allem: Zucker, Gewürze und die Geheimwaffe Kreuzkümmel (Cumin). Ja, wirklich! Dieser Hauch von Cumin sorgt für den speziellen, leicht amerikanischen Touch, den das Original in sich trägt. Ich konnte es kaum glauben, da ich Kreuzkümmel in zu hohen Dosen abstoßend finde. Aber hier passt es. Fein dosiert. Wer ganze oder stückige Tomaten genutzt hat, kann nun zum Pürierstab greifen.
  3. Geduld muss sein: Die Sauce muss jetzt Zeit bekommen. Mindestens 90-120 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen. Über die Menge an Brühe kann man gegensteuern, wenn es zu trocken wird. Zum Ende noch Abschmecken – süßlich-salzig-intensiv muss sie sein! Jetzt kommt schon das erste Lächeln ins Gesicht, oder? Ich hatte es. Augen zu und ich saß wieder im Kinderzimmer.

Teil II: Dünn, dünner, Spaghettini (Die Nudeln)

Wer Miracoli selber macht, macht auch die Nudeln selber. Und da das Original dünne Nudeln (Spaghettini) waren, stellen wir die natürlich auch her.

  1. Der ideale Teig: Man mischt Tipo 00 Mehl und Hartweizengrieß (Semola) im Verhältnis 3:1. Das gibt den Nudeln die nötige Elastizität und Biss. Eier, Eigelb, Olivenöl, Sauerteig (optional für das gewisse Etwas) und Salz dazu. Dann: Kneten! 10 bis 15 Minuten lang, bis der Teig glatt und geschmeidig ist.
  2. Die Ruhezeit: Den Teig in Folie wickeln und mindestens 45 Minuten ruhen lassen. Der Teig braucht diese Pause, um das Gluten zu entspannen. Nicht im Kühlschrank aufbewahren. Einfach in der Küche entspannen lassen.
  3. Formen und Antrocknen: Den Teig hauchdünn ausrollen. Ich wähle hier die Ankarsrum Lasagnewalze bis Stufe 4. Ab Stufe 5 werden mir die Spaghetti zu fein. Anschließend durch die Schneidwalze und schon sind die Nudeln fertig.
  4. Kochen: Frische Nudeln kochen sehr schnell! 2–3 Minuten – mehr braucht es nicht. Wichtig: sehr viel Wasser. Und das Wasser sollte so schmecken, wie das Wasser der Nordsee: SALZIG!

Teil III: Der Star der Show (Der Käse-Puder)

Hier wird es magisch. Wir wollen nicht nur frisch geriebenen Käse, wir wollen fast streufähiges Puder – den echten Miracoli-Effekt!

  1. Kälte-Schock: Man nutzt Pecorino und Parmesan (50:50). Den frisch geriebenen Käse legt man für 20 Minuten in das Gefrierfach. Sehr kalt bricht der Käse besser.
  2. Angriff des Mixers: Man gibt den eiskalten Käse, Semmelbrösel und Knoblauchpulver in einen starken Mixer oder Food Processor. Und jetzt: Die Puls-Funktion nutzen! Nur in sehr kurzen Stößen zerkleinern, bis eine Mischung aus Puder und kleinen Körnchen entsteht. Nicht zu lange mixen, sonst schmiert der Käse durch die Reibungswärme. Die Brösel wirken als Trennmittel und halten den Puder streufähig.

Anrichten: Die Krönung

Die Nudeln in die köchelnde Soße geben und dabei nicht mit Kochwasser sparen. Das gibt die nötige Konsistenz und Bindung. Auf die Teller verteilen und dann – der große Moment – großzügig den Käse-Puder oben drauf. Hier entscheidet jeder selbst, wie viel genug ist. Wer es extra authentisch und crunchy mag, toppt das Ganze noch mit ein paar gerösteten Zwiebeln.

Willkommen zurück in der Jugend. Das ist so nah am Original – das hat mich absolut überzeugt. Das gibt es definitiv immer mal wieder. Zu einem Nostalgieabend vor dem Fernseher.


Pro-Tipp: Das perfekte Aufwärmen

Ein Hinweis für alle, die es nicht schaffen, die ganze Portion auf einmal zu verputzen: Diese selbstgemachte Variante ist zu schade für die Mikrowelle! Die frischen Spaghettini neigen dazu, trocken oder zäh zu werden, wenn man sie zu schnell erhitzt. Mein Pro-Tipp ist die Pfannen-Methode. Einfach die Reste in eine kleine Pfanne geben, 2 bis 3 Esslöffel Wasser oder Gemüsebrühe hinzufügen, etwas Oregano und Olivenöl und bei mittlerer Hitze erwärmen. Der Dampf macht die Nudeln wieder schön geschmeidig, und die Sauce frischt auf. Nur kurz schwenken, bis alles durchgeheizt ist, und dann natürlich frischen Käse-Puder drüber!

Schon gesehen?

Du kannst die Bilder der Galerie vergrößern. 

Teig

150g Mehl Tipo 00
50g Hartweizengrieß (Semola)
2 Eier
1-2 Eigelb
Prise Salz
1 TL Olivenöl

1 EL Sauerteig Anstellgut (optional)

Soße

400g Hochwertige geschälte Tomaten (Abtropfgewicht)
200g Tomatenmark (dreifach konzentriert)
1 Zwiebel
1-2 Zehen Knoblauch
2 EL Olivenöl
150ml Gemüsebrühe
1-2 TL Zucker

Salz
Pfeffer
1 TL Getrockneter Oregano
1 TL Getrockneter Basilikum
1 TL Getrockneter Thymian
1/4 TL Kreuzkümmel (Cumin)

Käse

50 g Pecorino Romano
50 g Parmesan
1-2 TL Semmelbrösel
1 Prise Knoblauchpulver

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