Germknödel: Hüttenzauber in Ostwestfalen

Für uns hier in Ostwestfalen gehören Germknödel nicht unbedingt zum täglichen Speiseplan. Sie gelten vielmehr als eine der bekanntesten Mehlspeisen des Alpenraums. Da werden direkt Urlaubserinnerungen an Skihütten und Wintertage geweckt. Ich bin eigentlich kein Freund süßer Hauptgerichte. Aber beim Germknödel reizt mich der Kontrast zwischen dem luftigen Hefeteig, der fruchtigen Füllung und der cremigen Vanillesoße. Und dann noch Mohn – ich liebe einfach Mohn.

Man kann sich bei solchen Gelüsten einfach im Tiefkühlregal bedienen, oder man macht Knödel und Soße mit überschaubarem Aufwand einfach selbst. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Und das hat sich gelohnt!


Die Zubereitung des Hefeteigs

  1. Vorbereitung: Das Mehl wird fein in eine Schüssel gesiebt. Die Frischhefe wird in der Milch vollständig aufgelöst.
  2. Teigherstellung: Die Hefemilch wird zusammen mit dem Zucker, der weichen Butter, dem Eigelb, einer Prise Salz und dem Zitronenabrieb zum Mehl gegeben. Die Zutaten werden circa 5 bis 10 Minuten lang zu einem glatten, elastischen Teig verknetet, bis dieser sich sauber von der Schüsselwand löst.
  3. Stockgare: Der Teig ruht abgedeckt an einem warmen Ort für 20 Minuten.
  4. Portionierung: Im Anschluss erfolgt die Teilung in vier Stücke zu je circa 140 g. Diese werden auf einer leicht bemehlten Fläche zu glatten Kugeln rundgeschliffen.
  5. Zwischenruhe: Vor der Weiterverarbeitung lässt man die Teiglinge für 15 Minuten entspannen.
  6. Füllen: Die Kugeln werden flach gedrückt und mittig mit jeweils einem Esslöffel Powidl (Pflaumenmus) versehen. Der Teig wird über der Füllung zusammengeführt und an den Nahtstellen fest zusammengedrückt. Danach werden die Knödel erneut vorsichtig rundgeschliffen, um eine ebenmäßige Oberfläche zu erhalten.
  7. Stückgare: Die Knödel mit der Naht nach unten ablegen und abgedeckt für weitere 45 Minuten aufgehen lassen.

Der Dämpfvorgang

Das Wasser in einem passenden Topf wird zum Sieden gebracht. Die Knödel werden in den gefetteten Dämpfeinsatz gesetzt und bei geschlossenem Deckel für ca 18 Minuten gegart. Ein Öffnen des Deckels während der Garzeit ist unbedingt zu vermeiden, da die Knödel sonst in sich zusammenfallen könnten. Direkt nach dem Dämpfen einmal kurz mit einem Zahnstocher einstechen.

Statt eines Dämpfeinsatzes wären auch ein fixiertes Küchentuch oder ein Küchensieb über einem Kochtopf vorstellbar. Wichtig ist nur, dass die Knödel nicht im Wasser liegen und der Dampf innerhalb des Systems bleibt, also alles mit einem dicht schließenden Deckel abgedeckt ist.

Vanillesoße

  1. Aroma: Die Vanilleschote wird längs aufgeschnitten, das Mark herausgekratzt und beides zusammen mit Zucker und 350 ml der Milch erhitzt.
  2. Basis: In einer separaten Schüssel die Eigelbe mit der restlichen Milch und der Speisestärke glatt rühren.
  3. Temperieren: Zur Vermeidung von Gerinnung wird eine kleine Menge der heißen Milch nun langsam unter ständigem Rühren in die Eigelbmischung gegossen.
  4. Binden: Die temperierte Mischung zurück in den Topf zur restlichen Milch geben. Unter stetigem Rühren wird die Soße erhitzt, bis eine merkliche Bindung eintritt. Die Flüssigkeit darf dabei nicht mehr kochen. Zieltemperatur ungefähr 85 Grad.

Nussbutter

Die Butter bei geringer Hitze in einem Topf schmelzen lassen, bis sie sich dunkelbraun verfärbt und das nussige Aroma in die Nase steigt.

Mohn / Puderzucker

Ich persönlich favorisiere frisch gequetschten Mohn. Wer keine Quetsche / Mohnmühle hat, kann auch Zucker und Mohn in einer elektrischen Gewürzmühle oder mit einem Zauberstab in kurzen Intervallen zerkleinern. Wer auf Graumohn zurückgreifen kann, wird das etwas mildere Aroma zu schätzen wissen. Blaumohn ist aber auch völlig ausreichend.


Servieren

Zunächst etwas von der Vanillesoße auf den Teller geben. Darauf wird der Germknödel abgesetzt, mit der Nussbutter übergossen und mit dem Mohn-/Puderzuckertopping dekoriert. Das mag nicht der klassische Weg sein, aber so mag ich sie am liebsten.

Fazit

Nichts für jeden Tag, aber als Abwechslung bei uns sehr gern gesehen. Selbst für mich, der eigentlich kein Freund derartiger Süßspeisen ist. Die Kombination ist einfach faszinierend. Und trotz der hohen Hefemenge, die in diesem Falle gewollt ist, haben wir keinerlei Probleme, die Germknödel zu vertragen.

Schon gesehen?

Du kannst die Bilder der Galerie vergrößern. 

Vier Germknödel zu je 140 g

300 g Weizenmehl (fein gesiebt)

150 ml Milch

15 g Frischhefe

45 g Zucker

45 g Butter (weich)

1 Eigelb

1 Prise Salz

Etwas Zitronenabrieb

Vanillesoße

400 ml Milch

1 Vanilleschote

2 Eigelbe

2 EL Zucker

2 TL Speisestärke

Füllung und Garnitur

6 EL Powidl (Pflaumenmus)

4 EL Blaumohn (gequetscht)

3 EL Puderzucker

100 g Nussbutter

Vorheriger BeitragNächster Beitrag

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Meine neuesten Beiträge

Cookie Consent mit Real Cookie Banner